Zwischen Glungezer und Tennengebirge



In dieser Saison beschäftigt mich beruflich mehr der Tiroler Lagebericht! Dennoch bleibt Zeit, mir in den 2,3 Tagen dazwischen die Lage in den Heimatbergen anzusehen oder solche Bilder wie von Kollegen Walter Aschauer vom Liebeseck zu studieren ... alle Achtung ... "Mut kann man nicht kaufen" heißt eine Klettertour am Bratschenkopf.

Die Bilder von Plattl und Wermutschneid sind von letzter Woche (18.2.) ... mich hat die Gleitschneeproblematik am Montag einfach beschäftigt und ich habe mir spontan mal die Lage von unten aus angesehen. Prompt kommt am Dienstag die Alarmierung zum Lawinenabgang am Arthurhaus.

Am Dienstag Abend - der Wetterbericht prognostizierte ja schon eine bedeckte Nacht, ev. sogar mit leichtem Regen im Norden - ein Anruf wie's mit der Wermutschneid morgen (Mittwoch) aussieht(??) ... auf facebook ebenfalls einer der üblichen "Aufrufe" nach dem Motto: "hey Leute, plane für morgen die Wermutschneid, sollen ja super Bedingungen sein, wer kommt mit ... usw." ... nach meinem Kommentar zum Thema "bedeckt, keine Abstrahlung, mild, Lawine Arthurhaus, etc." wurde der Eintrag gelöscht!

Gerade die Wermutschneid - als wohl eher moderate Abfahrt - entwickelt sich im social media zu einer Art Testpiece und wird entsprechend reisserisch dargestellt. Nun, diese öffentliche Darstellung in Zeiten wie diesen kann man nicht ändern - früher ist man halt mal schnell über den Trog oder über den Umweg Tauernscharte - Schubbühel - Tiefe Grube - Streitmannl rauf und über die Schneid runter, wenn's grade gepasst hat - ein Bier im Gamsblick und fertig!

Was ich damit sagen will: die Gleitschneeproblematik wird offensichtlich von vielen unterschätzt - das erlebe ich in Gesprächen mit Kursteilnehmern, mit Tourengehern unterwegs und aus diversen Postings. Das in der letzten Zeit eher "entspannte Zeitmanagement" bei Firntouren (oder sollte man eher "Batztouren" mittlerweile dazu sagen?) könnte in dieser Saison wohl da und dort kritisch werden.

Was mich positiv überrascht hat: in den Tuxern, z.B. auf der Südwestabfahrt vom Glungezer, kaum Anzeichen (Risse, Wellen, Mäuler) von vermehrter Gleitschneeaktivität.

Oiso, wia sogt da E.M. ... aufpass'n und g'sund bleibn ... und b'sonders Obacht geben bei den üblichen Standard-Firntouren!

 

Autor: Lechner Heini (Bergführer)
Datum: 26.02.2019
Saison: 18/19
Gebiet: Tux und TG

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Andreas Zauhar01.03.2019

Heini, bitte ned scho wieder Worte und Sätzen verdrehen und irgendwas reininterpretieren, was do ned steht! Ich habe in keinster Weise geschrieben und gemeint, die Leute sollen pauschal später losgehen.

 

 

Lechner Heini28.02.2019

Boaaah Andi, du schmeißt hier Äpfel, Birnen und Bananen durcheinander und kritisierst Lehrmeinungen, die ja nicht irgendwelche Anzugfritzen in der warmen Stube entwickelt haben. Sondern die auf Basis von Erfahrungen, selbst unterwegs im extremeren Gelände oder eben mit Einsteigern, entstanden sind und empfohlen werden ... und die rechts und links, oben und unten Platz für individuelle Strategien und Zeitpläne lassen. Was haben Jenner und Zwölferhorn da zu suchen, da reden wir nicht von Absturz- versus Lawinengefahr, keiner muss dort so früh weg! Und: ich fühle mit jedem Angehörigen oder Freund mit, der einen Menschen in den Bergen verloren hat.

Trotzdem sollte Platz sein allgemein über wenn und aber zu diskutieren. Wir alle haben selbst schon oft Situationen erlebt und vielleicht  mit Glück überlebt, die vielleicht am Trog u am Reichenspitz leider zum Unglück, auch von erfahrenen Bergsteigern führten.

Wenn mein Freund vor 40 Jahren am Glockner seine Stollen abgeklopft hätte (Antistoll gabs nicht) ....

Wenn wir uns heute am Ahrner Kopf  nicht ständig zum konzentrierten Steigen erinnert hätten ...  

Also lass diese Schiene hier aussen vor bitte!

Aber bitte, jeder wie er meint ... aber hier Lehrmeinungen zu diskutieren, der Masse subtil zu empfehlen, sie soll tunlichst später weggehen, wenn sie im harten Steilfirn weder mit Harsch- noch mit Steigeisen zurecht kommt finde ich einfach fehl an diesem Platz!

Wer in dem Gelände mit der Ausrüstung und technisch nicht kompetent ist, ist dort von vorne herein falsch! 

Andreas Zauhar28.02.2019

Auf der Reichenspitze war i bis dato einmal: http://www.lawine.salzburg.at/tour/index2.php?id=15327

War definitiv keine Firntour, kein Frühstart und dennoch Top-Verhältnisse rauf und runter. Hat also mit der Zeitmanagement-Diskussion nur so viel zu tun, dass ma bei solchen Verhältnissen dort rauf ned in der Nacht losrennen muss. Auch wenns nicht relevant, frage ich mich, ob die wirklich von der Salzburger Seite, und nicht doch vom Zillergrund rauf und runter sind? Medienberichte sind doch oft fachlich zu hinterfragen.

 

Trog: Warum die die Rinne rauf sind, weiß ich nicht. Wennst den Weg weiter gehst, wird das Gelände deutlich flacher und angenehmer. "Für sowas gibts Steigeisen" mag sachlich passen, aber das sagst mal den Angehörigen ....

 

Natürlich muss jeder selbst wissen, wann er startet. Zugegeben: Mitten in der Nacht aufstehen, im Finstern anfahren und Mittag schon beim Wirt sitzen - hatte ich auch schon, werds auch wieder mal machen, ist auf Dauer  nichts für mich. Ich bin mal vor vielen Jahren mal in der Häuslhorngipfelflanke ausgerutscht. War gottseidank noch relativ weit unten, aber für einen blutigen Ellenbogen hats gereicht. Das sitzt vermutlich immer noch in mir drin. Drum ist es mir wurscht, ob ich 3 oder 7 cm Firn hab, mir ist wichtiger, dass ich sicher rauf und wieder runter komme.

 

Was mich einfach stört: Die immer wieder gepredigte Lehrmeinung "Bei Firn früh starten, bis Mittag unten sein" vermittelt eine pauschale Sicherheit. Aus lawinentechnischer Sicht ist dieser Rat sicher richtig, warnt jedoch nicht vor der erhöhten objektiven Gefahr durch Ausrutschen. Das trifft nicht nur auf Extremtouren zu, sondern gilt auch für Standard- und sogar Pistentouren. Am Jenner, Hochfelln, Zwölferhorn usw. gibt es immer wieder Unfälle mit Verletzten durch Abrutschen, weil die Betroffenen schön brav nach Lehrmeinung schon um spätestens 8 losrennen.  Heini, es mag auf Dich und auf andere gute Skibergsteiger zutreffen, dass Du z. B. den Trog bei harten Bedingungen sicher rauf kommst, für die Masse jedoch nicht, auch nicht mit Harsch- oder Steigeisen. Falsch ist auch die Behauptung, dass ein späterer Start mit sicherem Aufstieg - im Falle eines Sturzes bleibst im weichen Schnee wahrscheinlich liegen, auf gefrorener, steiler Schneedecke sicher nicht - automatisch Sulz bei der Abfahrt bedeutet. Da gabs/gibts genügend Touren, wo man sicher rauf und schön runter kam/kommt. Der von Dir genannte Göll ist übrigens ein klassisches Beispiel für eine schöne Nachmittagstour. Dann hast unten den Eiertanz nicht und oben durch den späten Sonneneinfall immer noch sehr gute Abfahrtsverhältnisse und eben Sonne.

 

Oba jetzt kummt eh erst moi wieder Pulver ...

 

Andreas Eicher27.02.2019

So jetzt bin ich dank Mansi endlich auf der richtigen Seite des Berges. Von Krimml war ich noch nicht auf der Reichenspitzecht, Da wird's zum Klettern und auf dem Felsgelände hätte ich sogar lieber harte oder zumindest gefrorene Bedingungen als weichen Schnee bei dem ich nicht weiß ob das Zeug hält.

Beim Trogsteig darfst bei weicheren Verhältnissen auch nicht ausrutschen!

Für mich spielt das Zeitmanagement da keine Rolle.

Um ideale weiche Verhältnisse im Aufstieg zu haben bist unweigerlich zu spät für a sichere Abfahrt... Vor allem unten raus...

Thomas Mansberger27.02.2019

@Andi

absolute Zahlen von Toten nicht in Relation zu Gesamtpersonen und Tageszeiten, das stimmt schon. Gehen alle nach Lehrmeinung bei harten Verhältnissen, gibt es keine Nassschneetoten mehr, was würde es an der Gesamtzahl an Toten ändern? Ich wette in Summe einen Anstieg....

....der Unfall an der Reichenspitze war von Salzburg aus!

mex meissnitzer27.02.2019

...ich war am montag auf der hagener hütte von mallnitz aus > wollte über das eselskar runter nach sportgastein, war allein, weit und breit keine spur und auch niemand im an-/ abstieg rauf oder runter, alles pickelhart verblasen grandioser eisharsch, GPS_track ins nirvanna...

bin dann 100 hm abgefahren, neugierig vielleicht doch noch einen weg zu finden und vor grauslichen abbrüchen -mit vollen hosen- gelandet...

kommando retour und mit geknicktem selbstbewusstsein bei der abfahrt retour plötzlich in einem südseitigen, ordentlich steilem naßschneehang unterhalb der jamnigalm gestanden, sozusagen von pest zu cholera :-), auch da wieder rückzug und kleinen umweg eingelegt...

im ort dann beim bier von der freundlichen kellnerin aufgeklärt, dass ~ vor einem jahr genau in diesem hang ein lawinentoter war...

was ich damit sagen will > die vorsichtigen, oft belächelten "shiter" überleben...:-)

 

 

Andreas Eicher27.02.2019

@ Mansi

Dei Statistik mag scho stimmen, aber san die alle in der Morgendämmerung abgestürzt bei völlig harten und vereisten Verhältnissen??

Also sagt die Statistik ja nix über die Schneeverhältnisse aus, sonder nur ob abgestürzt oder verschüttet.

Und der Großteil der Tourengeher hält sich ja auch an die Lehrmeinung und beendet die Tour frühzeitig.

Oiso hinkt dei Statistik a bissl...

Andreas Eicher27.02.2019

Servus Andi,

samma mal wieder so weit: Du willst einfach länger ausschlafen als es bei einer südseitigen Firntour das Zeitmanagement vorgibt :-).

Trog ist mir zu wenig beschrieben, aber bei der Reichenspitze liegst Du komplett falsch.

Bei so einem Klassiker geh i davon aus Du warst da scho oben.. ich kenn die Tour gut :-).

Erstens nach dem Schidepot auf schätzungsweise fast 3200m (wenns mit Schi ned ganz rauf geht) wird der Gipfel westseitig zu Fuß bestiegen, d. h. bis da oben im Februar weich wird kannst ein Zelt aufstellen und ein paar Wochen warten

 Ausserdem gibt´s ja auch Steigeisen für harte Verhältnisse. Abstürzen kann man bei jedem Schnee! Wenn´s also da oben vom Schnee passt bist bei der restlichen Tour nur no im Batz unterwegs.

NAch dem Gipfel wird die Tour (weil schifahrerisch lohnender) fast immer zwischen Wildgerlosspitze und Kuchlmooskopf gequert und über das ziemlich spaltige Zillerkees abgefahren. Da sollte es auch auf jeden Fall (wird in dieser Saison durch den vielen Schnee vielleicht weniger problematisch sein) auch nicht zu weich sein. Vor allem die heurigen Schneemassen und die Gleitschneeproblematik würden mir richtig Angst machen wenn ich da zu spät dran wäre weil man ja irgendwie aus dem Tal wieder raus muss. Ganz abgesehen vom Schigenuss, der für mich immer noch an oberster Stelle steht. Zumindest wenn ich mir den Zeitpunkt der Abfahrt aussuchen kann.

Ausserdem wirst Du mittags bei starker Erwärmung im Zillergrund eingschlossen weil dann das ganze Tal wegen Lawinengefahr gesperrt wird - Das Zeitfenster hab ich schon öfter im Nacken gehabt. Dann wär´s sinnvoll ein paar Dosen Ottakringer im Auto zu haben, denn vor 21 Uhr geht der Schranken nicht wieder auf...

Oiso bei der Tour von Zeitmanagement zu sprechen, sorry Andi, falscher Ansatz.

Abstürze passieren bei solchen "Alpin"-Touren

Für mi sitzt ma bei einer gscheit´n steil´n Südseitnfirntour Mittag im Biergarten.

Nix für unguat, oder um E.M. zu zitieren Xund bleim.

Andi

 

Thomas Mansberger27.02.2019

.....statistisch gesehen sterben mehr Leute durch Abstürze als durch Nassschneerutsche......daraus sollte jeder seine eigenen Schlüsse ziehen, gefährlich ist beides

Lechner Heini27.02.2019

@Andi, ich weis, du hinterfragst gerne die Lehrmeinung ... lat "Lehrmeinung" bin ich jedoch stets den Trogsteig bei relat. harten Verhältnissen gegangen, um die Schneid bei idealem Firn zu fahren. Den Schluss, "lieber später weggehen, wenn's im Aufstieg weich ist und im Sulz abfahren" finde ich falsch. Ob am Trogsteig, am Göllsteig, etc., etc., ... die Lehrmeinung schlägt bei besonderen Verhältnissen zB Steigeisen vor. Abstürze passieren immer, auch bei weichen Verhältnissen ... aber jeder, wie es ihm beliebt ;-)

Andreas Zauhar27.02.2019

https://salzburg.orf.at/news/stories/2967086/

 

Wobei leider aus gegebenem Anlass die Lehrmeinung zum Zeitmanagement immer wieder zu hinterfragen ist. ....

Tenreiter Clemens26.02.2019

Schneid-Mittelteil schaut von unten schlechter aus als es ist. Geht einfach mitten durch den Bruch. Föllig unproblematisch.