Flucht in die Normalität



Nachdem bei uns die mediale Berichterstattung über das herrschende "Schneechaos bzw. die Schneekatastophe" momentan auf Hochtouren läuft (Trump, Seehofer und Brexit etc. scheinen gerade Pause zu haben) und man inzwischen schon fast ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn man sich bei den derzeitigen Verhältnissen auf Skitour begibt, habe ich mich nach gründlichem Studium der Lawinen- und Schneelage mal ins Inntal aufgemacht.

Tatort: Wildschönau/Feldalpenhorn

Schneechaos äh -lage: In der Wildschönau herrschen Verhältnisse wie in einem ganz normalen Winter. Die Straßen sind bestens geräumt, die Skilifte alle in Betrieb, der Tourengeherparkplatz schön freigeräumt. Nur irgendetwas kam mir komisch vor, kein einziges Auto da, obwohl ich gar nicht so früh dran war. Mit etwas mulmigem Gefühl schnallte ich meine Bretter an und machte mich an den ziemlich beschwerlichen Anstieg, es waren ca. 30-40cm Pulverschnee zu spuren. Endlich nach knapp 500Hm kam die Erlösung, 2 Einheimische haben mich eingeholt und übernahmen freundlicherweise die weitere Spurarbeit. Die absolute Schneehöhe ist für die Jahreszeit ganz normal.

Lawinenbeobachtungen: Gleich oberhalb des Talbodens Abgang einiger Gleitschneerutsche aus steilen Grashängen; Gleitschneeanriss auf der O-Seite unterhalb des Gipfels. Ansonsten schien die Schneedecke ziemlich stabil zu sein, keinerlei Abrutschungen bei der Abfahrt, keine Wumm-Geräusche etc. Der letzte Schnee fiel ohne große Windeinwirkung.

Wetter: Anfangs noch etwas Restbewölkung, die sich rasch auflöste. Dann durchgehend sonnig, saukalter Wind aus westl. Richtung nur im obersten Teil. Ab ca. 14 Uhr Wolkenaufzug von Nordwesten.

Sonstiges: Das derzeitige "Schneechaos" beschränkt sich auf einzelne örtliche Gebiete, ist aber nicht generell vorhanden. Wenn man den Lawinenlage- und die Schneeberichte aufmerksam liest, kann dieser Sachverhalt auch daraus entnommen werden. Nur leider sind viele Leute durch die mediale "Katastrophenberichterstattung" so beeinflusst, dass sie überall nur noch Schneechaos sehen.

Autor: Klaus Einmayr
Datum: 11.01.2019
Saison: 18/19
Gebiet: Wildschönau

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Welzenbach Felix17.01.2019

Auch in der Kritik sollte man fair bleiben. Es ist sicherlich falsch, alpenweit von Schneekatastrophe zu sprechen - die Alpensüdseite ging ja völlig leer aus. Es stimmt auch für Vorarlberg und das Tiroler Oberland nicht, dort sind die absoluten Schneehöhen verhältnismäßig normal.

Rekorde gab es trotzdem, auch in altehrwürdigen Skigebieten:

Zwischen 01.01. und 15.01. gab es in Seefeld 283cm Neuschnee, der höchste Wert seit Aufzeichnungsbeginn 1895 (!). Rekorde auch in Kufstein (168cm, 1923), Hochfilzen (451cm, 1971), Lofer (263cm, 1971), Abtenau (240cm, 1964) und Bad Mitterndorf (270cm, 1971). Quelle: ZAMG

Der Schneehöhensensor am Loser misst zwar bis 7m (aktuell 5,30m), aber 4m Neuschnee in 2 Wochen dürfte auch ein Rekord sein. 4,5m Neuschnee am Hochkogel und Hochkar/Ybbstaler Alpen sind auch nicht jedes Jahr vorhanden. Die ZAMG spricht von einem 30-100jährlichen Ereignis, vom Tiroler Unterland entlang der gesamten Nördlichen Kalkalpen bis Mürzsteger Alpen.

LWS 5 ist an sich noch keine Katastrophe, ungewöhnlich ist vor allem, dass generell ab 800m Seehöhe über 14 Tage hinweg durchwegs Schnee gefallen ist. Das hat zu ganz massiven Schäden im Waldbestand unterhalb der Waldgrenze geführt, was in manchen Regionen auch die künftige Schutzwaldfunktion beeinträchtigen kann. Gewöhnlich ist zwischen solchen Neuschneeereignissen eine Pause, wo zwischendurch der Schnee von den Bäumen abfallen darf. Das hat dieses Mal gefehlt. Am Montag waren über 40 000 Bewohner alleine im Land Salzburg von der Außenwelt abgeschnitten. Alle Transitbahnstrecken (Saalachtal, Salzachtal, Ennstal) waren an neuralgischen Stellen gesperrt. Wenn dann mehrere Tage lang Arbeiter nicht in die Betriebe kommen können, kann man schon von "Chaos" reden. Natürlich nicht überall.

Mitverantwortlich für die hohen Neuschneesummen ist neben der idealen Anströmung (Nordwest) auch die für die Jahreszeit viel zu warme Nordsee (1,5°C über dem Schnitt), sodass die Nordwestströmung mehr Feuchte aufnehmen konnte.

Thomas Mansberger14.01.2019

Lieber Hans,

ich schätze dich und dein Bemühen sowie deine Erfahrung und deinen unermüdlichen Einsatz dafür Dinge besser zu machen.

Darf ich ich und andere trotzdem bitten, unseren Fall an dieser Stelle aus der Diskussion herauszunehmen, hier geht es um das Thema Winter, Katastrophen Fatalismus und am Rande des Umgangs der Medien damit, verbunden mit öffentlicher Wahrnehmung. Unseren Fall können wir gerne jederzeit persönlich aufrollen, unter Miteinbeziehung aller Beteiligten und Aussparung von persönlichen Befindnissen, Erwartungen und Enttäuschungen, aber nicht hier und nicht, wenn einige gerade andere Dinge zu tun haben.

Danke Thomas

Hans Neumayer14.01.2019

Ich mache keine Unterstellungen!

Ich übersende dir heute den Bericht von Edi Mörtl "Am Schicksalsberg" (berundsteigen). Ich war seit 1956 Mitglied des Österreiischen Bergrettungsdienstes, bin aber im Jänner 20ß18 ausgetreten.

Grund des Austrittes: Ich wurde vom Landesleiter des BRD Salzburg, Balthasar Leireiter bei der Bezirkshauptmannschaft St. Johann i.Pg. nach dem Rettungsgesetz angezeigt, weil ich für die Rettung aus den steilen Wänden gemeinsam mit der Alpinpolizei eine Gruppe mit Extrembergsteigern aufgestellt habe. Ich wurde von  der Bezirkshauptmannschaft St. Johann i.Pg. abgemahnt. (Ich bin Träger des Grünen Kreuzes)

Florian Wallner14.01.2019

Da unterstellst du der Bergrettung aber ganz schön viel.

 

"wurde die akut lebengefährliche Lage von Thomas Mannsberger und Edi Mörtl nicht erkannt. "

Woraus schließt du denn das? Halte ich für eine gewagte Aussage. 

 

"Die hochqualifizierten und besonders leistungsstarken Alpinisten und die vielen für die Bergung aus dem Hochgebirge geeigneten Hubschrauber im Land Salzburg wurden nicht angefordert."

Mit dem ersten Teil meinst du vermutlich eine terrestrische Rettung? Die Lawinengefahr stieg im Tagesverlauf recht deutlich an, wenn ich mich recht erinnere. 

Hubschrauber aus Vlbg: naja, zum Spaß werden's den wohl nicht angefordert haben. 

Wer hat von offizieller Seite Mansi und Edi denn beschuldigt? (den Shitstorm zähle ich nicht dazu)

Hans Neumayer14.01.2019

Hallo Klaus, weil die Rettungsaktion ein gutes Beispiel dafür wie ein Einsatz nicht organisiert werden sollte. Von der Einsatzleitung (Bezirkshauptmannschaft Zell am See und vom Österreichischen Bergrettungsdienst Land Salzburg) wurde die akut lebengefährliche Lage von Thomas Mannsberger und Edi Mörtl nicht erkannt. Die beiden Schibergsteiger mußten 22  Strunden in der Gletschersplate vor dem tiefen Abgrund in höchster Lebensgefahr auf ihre Rettung warten  Die hochqualifizierten und besonders leistungsstarken Alpinisten und die vielen für die Bergung aus dem Hochgebirge geeigneten Hubschrauber im Land Salzburg wurden nicht angefordert. Warum ein Hubschrauber aus Voralberg angefordert wurde ist mir nicht bekannt. Der Einsatz kostete 27.000 Euro. Die beiden "Beschuldigten" (Thomas und Edi) wurden nie gehört!

 

Andreas Zauhar14.01.2019

Zur "Mittagszeit" - siehe Kommentar Edi:

Auch wenn es schon fast eine Woche her ist: Ich habe mich über die Art dieser Sendung schon etwas gewundert. Durch die Formulierung des Themas - was sind das nur für Leute, die trotz aller Warnungen auf Skitour gehen oder gesicherte Pisten verlassen -war ja quasi vorgegeben, was die Anrufer sagen sollten und die Hörer hören sollten. Der Moderator hat ja alle anders Denkenden abgewürgt und sich über die Frau, die sich "geoutet" hat, auf den Gaisberg zu gehen, eher lustig gemacht. Scheinbar quotenbedacht bekamen vorwiegend die Leute eine Bühne, bei denen man das Gefühl bekommt, dass sie sich über Lawinenunfälle freuen.

Ich hätte jedoch gerne zwei Fragen und deren Antworten gehört: Wie passt der Facebook-Eintrag von Herrn Karnutsch "A bisserl was geht immer" zusammen mit seinen aktuellen Pulverbildern zum Thema dieser Sendung? Und wen oder was meint G. Karnutsch konkret mit Stammtischschwätzern und selbst ernannten Alpinexperten in einem weiteren Facebook-Post?

 

Falls das der fliegende Radio S-Reporter liest: Es gibt keinen RupertiGAU!

 

zur Causa "Am Schicksalsberg"
Hans, darf ich fragen, was Du mit dieser Sachverhaltsdarstellung bezweckst? Deren Inhalt würde mich natürlich auch interessieren.

 

Sorry Klaus, dass ich Deinen Eintrag für diese Themen "missbrauche". Ich hoffe, das tröstet etwas:

https://www.youtube.com/watch?v=8BWZBak5LsM

Klaus Einmayr12.01.2019

Anscheinend ist auch an anderer Stelle aufgefallen, dass vor allem bei uns in Deutschland, wo wir ja "am meisten unter der Schneelast zu leiden haben", die mediale Berichterstattung so seine Blüten treibt.

Siehe den folgenden satirischen Link:

https://www.youtube.com/watch?v=JiZx1fJ01zI

Hans Neumayer12.01.2019

Zur Causa "AM SCHICKSALSBERG" (11.04.2015 Thomas Mansberger und Edi Mörtl) habe ich am 27. Jänner 2018 der Staatsanwaltschaft Salzburg eine Sachverhaltsdarstellung übersandt.

Hans Neumayer12.01.2019

Am 11.01.2019 schrieb ich an radio.salzburg@orf.at folgendes E-Mail:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Zur Sendung "Mittagszeit" am 8. Jänner 2019 waren am Sendungsbeginn die Aussagen der Extremsportlerin Eva Walkner und Günter Karnutsch, Obmann des Salzburger Bergführerverbandes, falsch.

Auch die großen "Experten" sollen sich vom Wahn, alles in Griff zu haben, verabschieden.

Thomas Mansberger zu Einfach trau...12.01.2019

Danke Klaus für den tollen Bericht und du sprichst mir aus der Seele!

Es gibt in der Tat viele Regionen, die echt richtig vom Schnee betroffen sind, aber was da allgemein abläuft ist komplett irre. Für viele Gebiete ist das endlich wieder einmal ein richtiger Winter wie früher, schön. Warum man da zB. in BGL Schulen bis Mi sperren muss und die Feuerwehr und THW ausrücken, keine Ahnung, natürlich mit Ausnahme Nachbarschaftshilfe und für alte kranke etc., die auf den mäßig bis kaum geräumten Wegen nirgends hinkommen oder ihr Dach nicht selbst abschaufeln können. Aber wenn Straßen zu höher gelegenen Höfen ohne Schneeketten erreicht werden können, wo ist da die Katastrophe? Weiter: Nix gegen die Rudolphshütte, aber in der Höhe muss man auch mal damit rechnen, dass man eingeschneit wird, oder nicht? 

Zur Radiosendung: Ich finde es gab gute aufrichtige Anrufe insbesondere von Rettern und auch Hr. Karnutsch hat mich v. a. gegen Ende mit seinem Statement überrascht, positiv! Ich finde es aber nach wie vor befremdlich, dass ein freiwilliger Feuerwehrmann, der einen verunfallten Betrunkenen rettet in der Öffentlichkeit ganz anders dargestellt wird, als ein armer Bergretter, der sein Leben für einen "ignoranten Dummen" riskiert. Da findet medial eine Opfer-Täter-Umkehr statt, die absolut inakzeptabel ist. Die Retter können dafür aber nix, die tun, was geht, herzlichen Dank an dieser Stelle an alle Freiwilligen!!!

Daniela Kern12.01.2019

Klaus, stimme deiner Einleitung voll zu! Sehr schöne Eindrücke!

Florian Wallner12.01.2019

Ich habe die Sendung auch gehört, und auch Edis Anruf. 

 

Klar haben in den letzten Tagen viele Wintersportler falsche, z.T. auch dumme Entscheidungen getroffen. Viele haben eh gleich selbst dafür bezahlt.

Dennoch stört auch mich die Art, wie das aktuell an vielen Stellen "diskutiert" wird. ("losst's as verrecken!") 

 

Auch mich hat der Verweis auf den Schwalbenwandunfall gestört: natürlich hat niemand was bei einem 4er in einem 38°-Hang zu suchen -- aber zu behaupten, der Mann wollte weitergehen...

(in Wahrheit wollte er - lt. Berichten - wohl selbst hinunterfahren. Wird eh für die Retter auch angenehmer gewesen sein, als ihn im Akia zu transportieren)

 

Günther Karnutsch ist mir diesmal auch sehr positiv aufgefallen. (ganz anders als bei dem Spaltenunfall, wo er mutmaßend und unfair argumentiert hat)

Er hat konkret erläutert, was hinter der Bergrettung steckt, wie Entscheidungen getroffen werden usw. 

Rupp12.01.2019

@Edi: es ist und bleibt halt ein schmaler Grat, aber regional war es trotzdem unverantwortlich und Kritik gehört zum Erziehen dazu, siehe: https://www.krone.at/1841941

@Klaus: toller Bericht, aber ums Eck kann es halt leider wieder ganz anders ausschauen und....

Gruß Rupp

Edi Mörtl12.01.2019

Dienstag in dieser Woche um die Mittagszeit wurde im Radio Salzburg zu einer live Diskussionsrunde zur momentanen Wettersituation unter dem Titel „ Ignoranz oder Dummheit“ geladen. Schon in der  Anmoderation wurden die üblichen Vorurteile gegenüber allen die es wagen, bei diesem „Schneechaos“ auch nur einen Fuß in die winterliche Landschaft zu setzen als eben das bezeichnet was der Titel der Sendung unverhohlen andeutete.

Um die Stimmung gleich mal anzuheizen wurde vom Moderator die Mär von dem tags zuvor zur Gänze verschütteten Skitourengeher an der Schwalbenwand erzählt der, nachdem man ihn nach mehreren Stunden ausgegraben hatte, jener gleich wieder die Skitour fortsetzen wollte. Die Bemerkung seitens des Moderators: „da hätte ich nicht der Bergretter sein dürfen“. Einziges für mich erkennbares Motiv, gleichmal die Stimmung im Publikum anheizen! Die ersten Beiträge passten dann ja auch.

Dieser Unsinn veranlasste mich beim Sender anzurufen und tatsächlich kam ich live in die Sendung. Ich wollte eigentlich an die Verantwortung der Journalisten, selbsternannten Fachleute und die dafür benutzten Medien appellieren, doch mäßigender und verantwortungsvoller mit diesem Thema (Bergunfälle) umzugehen. Der Moderator viel mir sehr rasch ins Wort und würgte mich ab mit dem Argument dass dies nicht das Thema sei. Einem nachfolgenden Zuhörer mit ähnlicher Sichtweise ging es ebenso. Wieder einmal wurde deutlich, dass an einer sachlichen und unaufgeregten Berichterstattung speziell bei Bergunfällen wenig bzw kein Interesse besteht, sondern durch Schlagwörter wie eben auch bei dieser Sendung, beim Publikum eine Aufgeregtheit erzeugt werden soll. Der nachfolgende Shitstorm, beschämend und ungezogen ( siehe FB-Seite Bergrettung Salzburg)  wird dabei in Kauf genommen.

Einziger Lichtblick für mich bei dieser Sendung war, dass sich der bei solchen Themen immer ins Studio geladene Salzburger Bergführer-Obmann Günter Karnutsch auffällig zurück gehalten hat, was ich als Lernprozess versteh – war ja nicht immer so.

Klaus, vielen Dank für den tollen Bericht, dem ich in deiner Einleitung voll zustimme. Selbiges auch für Nani Klappert, dessen Bericht ja auch in selbige Richtung geht.

Aufpassen und gsund bleim!

Damir Bijelic zu Wintertraum12.01.2019

Griaß di Klaus, danke für den tollen Bericht und der noch stimmungsvolleren Bilder, atemberaubend schön! schöne Tourensaison beste Grüße. Damir