Turmtal - Totes Gebirge



Gestern nachmittag Stand mit dem Kollegen noch eine kleine Nachmittagstour am Programm. Die schon von weiten sichtbaren Windfahnen an den Berggipfel haben zum Nachdenken angeregt....unser ursprünglicher Plan....vom Winde verweht.
Also gehts mal nach Hinterstoder zur Baumschlagerreith, es gab sozuagen einen guten Ersatzplan!


Raus aus dem Auto...der erste Blick geht immer Richtung Turmtal.
Du des Turmtoi schaut a scheisse aus...
Stimmt...drum gemma a wos aunders....
1 Minute später....
Der Hubschrauber taucht am Himmel auf, die Bergrettung trifft ein...
Griass eich,
Griass eich, is wos passiert?
a Verletzter warad zum bergen, Hubschrauber kann net fliagn zvü Wind....
Wo den ?
Im Turmtal, kinnts uns höfa?
Jo, kloar...Wir wollten eh ins Turmtal ;-)
Material aufgepackt uns los gehts....

 

Die Kollegen des Verunfallten haben den Verletzten dann soweit runtergebracht, dass schlussendlich doch der Hubschrauber den Verletzten ausfliegen konnte. Ich denke die haben einen guten Job gemacht, einen verletzen zu 2 im 35 Grade Gelände so runterzubringen is schon eine Herausforderung!

Nach dem alles geregelt war (dem Verletzten alles Gute!), sind wir dann noch weiter im Turmtal aufgestiegen, bis ca. 1850m. Wären da nicht gerade 3 Leute runter, hätten wir vermutlich umgedreht. Die Aufstiegsspur unserer Vorgänger war komplett zugeweht.
Starke Windzeichen von den letzten Stunden. In manchen Teilstücken Spurkeile bei jeder Spitzkehre. Der letzte Neuschnee (bzw. der frische Triebschnee) überdeckte total eisigen Lawinenrutschbahnen. Zudem sieht man auch deutlich dass eine Front aufzieht und die Sicht wohl nicht mehr lange so gut sein wird.....Das heute ist ein Beispiel dafür, wie sich die Lage im Tagesverlauf doch sehr zuspitzen kann.
Im orografisch re. Teil des Tales war es etwas besser, in diesem Teil sind wir auch abgefahren und konnten sogar eine richtig lässige Powderabfahrt genießen. Am Ausgangspunkt zurück, hat dann auch leichter Schneefall eingesetzt....

summa summarum kann man sagen, dass wir mit unserer Tourenplanung diesmal ziemlich daneben gelegen sind ;-)

Autor: Rammelmüller Paul
Datum: 15.02.2018
Saison: 17/18
Gebiet: Totes Gebirge

Neuen Kommentar hinzufügen
Rammelmüller Paul10.03.2018

Hallo Bernhard,

Hab deinen Kommentar erst jetzt gelsen. Es ist keiner vor einem solchen Missgeschick gefeit, hier zu unterstützen ist eine Selbstverständlichkeit. So ein Unfall fällt einfach unter Pech. Gott sei Dank hatte eure Begleiterin Kammeraden wie euch. Wir hatten beim weiteren Aufstieg schon mihbekommen was geleistet habt. Wer das Turmtal kennt, kann das sicherlich bestätigen. Hut ab :)

Ich hoffe sie ist am Weg der Besserung.

Lg Paul

Hofmann Bernhard22.02.2018

Servus Paul,

 

danke vorab für deine Zeilen hier im Forum!

 

Unsere Kollegin hat auf einer Höhe von ca. 1750m einen sehr unglücklichen Schwung eingelegt und ist zu Boden gesunken. (12:00 Uhr) Nach 1 ½ Stunden in denen der Hubschrauber einige Male versucht hat uns zu erreichen entschlossen wir uns (nach Rücksprache mit dem BRD) zumindest ein Stück weit abzusteigen. Wir hielten uns in einem sehr steilen Bereich auf und die Lage um uns herum spitzte sich immer mehr zu (Wind, Triebschnee).
Mithilfe von Skistöcken, Rettungsdecke, Biwaksack und einem Tape bastelten wir ein Not-Akia. Der Kollege fuhr vor und suchte eine gute Linie, ich zog die Verletzte dann hinter mir her, bis auf eine Höhe von ca. 1250m. Bis dorthin war ausreichend bremsender Neuschnee vorhanden um halbwegs sicher runterzukommen. An einer Geländekannte warteten wir auf die Bergrettung, welche schon bald in Sichtweite war. (~15:00 Uhr)

 

Bis auf die Verletzung selbst - Bänderriss(e) rechtes Knie - ist alles gut ausgegangen. 

 

Was haben WIR daraus gelernt? - und was könnenvielleicht andere daraus lernen:

  • Vorbei ist es erst unten. Nach dem Abstieg vom Gipfel dachte keiner wirklich daran, dass heute noch was schiefgehen könnte.
     
  • Notfallausrüstung
    Ein paar Reepschnüre hätten uns die ganze Sache massiv erleichtert. Rettungsdecke, Biwaksack  (das Ding hält einiges aus!), eine warme Jacke, Klebeband und ein wenig Kleinzeugs sind es auf jeden Fall Wert immer dabei zu sein! (auch auf Mini Touren)
     
  • Tourenplanung
    Bei guten Bedingungen gestartet, bei Abfahrtsbeginn noch OK, änderten sich die Verhältnisse binnen 2 Stunden erheblich. Wir gingen davon aus zu Mittag wieder im Tal zu sein. Der Wetterbericht kündigte bereits für die frühen Nachmittagsstunden starken Wind, schlechte Sicht und Niederschlag an. Gerade für diese anspruchsvolle Tour hätten wir mehr als 1-2 Std. Reserve einplanen sollen. Wäre dieses Missgeschick bei den ersten Schwüngen passiert würde die Sache vermutlich ganz anders ausgegangen sein (durch das flachere Stück unter dem ersten Hang hätten wir sie nicht ziehen können)

     
  • Ein großes Dankeschön an die Helfer der BR Hinterstoder, BR Vorderstoder und der Alpinpolizei!
    Vielen Dank auch an euch beide für den spontanen Einsatz, und ganz besonders für deine Informativen und ehrlichen Berichte in diversen Foren!

    LG, Bernhard