Saukarkopf



schlechtwettertour am eingang zum großarltal. pp gegnüber bushaltestelle au. über die bauernwiesen ri breitebenalm, dann aber rechts halten in den steilen wald , viele hindernisse durch windbruch, neue z.t. steile windwurfschneisen, fast bis zum wintergipfel. 1150 hm  

Autor: herbert rohn
Datum: 17.12.2017
Saison: 17/18
Gebiet: niedere tauern

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herbert rohn zu IMG_20171216...22.12.2017

liebe leute, besten dank für die hinweise, hab wieder was gelernt.....lg herb 

Thomas Eckerstorfer20.12.2017

Danke Manfred für den Hinweis! Sogenannte "Waldlawinen" gibt es natürlich trotz "Interzeption" und geringerem Windeinfluss - sie stellen die Lawinenwarnkommissionen speziell für die Sicherung von Schipisten oder Verkehrswegen immer wieder vor Herausforderungen, weil sie oft nur geringes Ausmaß haben und schwer vorhersehbar sind.

 

Im konkreten Fall (ich kenne die Schitour auf den Schwarzkogel zufällig) handelt es sich um einen sehr steilen Grabeneinhang im untersten Abschnitt der Tour, also auf ca. 1.000 m. Der Hang ist bewaldet - allerdings wie in den Karawanken üblich - eher mit hohem Buchenanteil, also winterkahl. Dort, wo die Bergretter den Lawinenkegel queren mussten, traversiert man steile, felsdurchsetzte Waldschneisen, die speziell nach starken Schneefällen und anschließender Erwärmung oft lawinengefährlich sind - der schwere Schnee gleitet einfach auf den steilen Felsplatten oder auf einer darunterliegenden Regeneisschicht ab.

Typisch für dieses Gebiet ist ja durch die eher geringe Höhenlage und den adriatischen Klimaeinfluss ein starker Wechsel von oft extremen Neuschneemengen und starken Erwärmungen.

 

Der Unfall selbst war dem Bericht nach kein Lawinenunfall, die Bergung allerdings durch die Lawinengefahr erschwert.

Hanke Manfred19.12.2017

Zwar nicht ganz das Ereignis, dass ich in Erinnerung habe (bezüglich Lawinenabgang im dichten  Hochwald) aber dennoch ... 

http://www.kleinezeitung.at/kaernten/villach/4029438/Villach_Einsatzweg-ueber-Lawine

 

 

Thomas Eckerstorfer18.12.2017

Die Stützwirkung einzelner Stämme auf die Schneedecke ist im Regelfall vernachlässigbar, es sei denn es handelt sich um eine stark durchfeuchtete und dann wieder komplett gefrorene Schneedecke, die sich auf einzelnen Punkten "aufhängen" kann, was aber eher eine Sondersituation ist.

 

Bei Schlägerungen in steilen Lagen werden trotzdem die Bäume oft hoch abgestockt, um die Bodenrauhigkeit zu erhöhen. Eine hohe Bodenrauhigkeit hilft zumindest gegenüber Gleitschneelawinen oder Rutschen aus den bodennahen Schichten, was ja oft für Straßen oder Schipisten in tieferen und mittleren Lagen das Hauptproblem ist. Natürlich spielt dann auch die Dichte der vorhandenen Stümpfe eine Rolle. Zusätzlich verstärkt kann die Wirkung noch dadurch werden, dass man hinter den Stöcken ganze Baumstämme querlegt und sie mittels Seilen verankert, was üblicherweise nicht nur als Objektschutz für Straßen und Wege, sondern auch als Gleitschneeschutz für die Pflanzen bei Hochlagenaufforstungen gemacht wird.

 

Der Haupteffekt eines geschlossenen, v.a. wintergrünen Waldes hingegen ist die Beeinflussung der Schneedecke durch die sogenannte "Interzeption" (Rückhalt des Schnees in den Baumkronen). Durch Verdunstung bzw. das verzögerte und uneinheitliche Herunterfallen des Schnees bildet sich eine wesentlich stabilere Schneedecke, als auf Freiflächen. Dazu kommt auch noch die verminderte Windbeeinflussung.

 

zusammengefasst:

1. Die einzelnen Baumstümpfe haben im Regelfall keine stabilisierende Wirkung auf die Schneedecke, erhöhen aber in Summe die Bodenrauhigkeit

2. Je höher die Gesamtschneemenge, desto geringer ist die Wirkung der Bodenrauhigkeit auf die Scheedecke

3. Der positive Haupteffekt des geschlossenen (v.a. wintergrünen) Waldes ist nicht die Abstützung der Schneedecke, sondern die Beeinflussung der Schneeablagerung

 

P.S.: hoffentlich wirkt das jetzt nicht auch oberg'scheit, aber als einer, der sich mit diesen Dingen beruflich "herumschlagen" muss, fühle ich mich dann doch angesprochen ;-)

 

 

Andreas Zauhar18.12.2017

Griaß Eich!

 

Ich kenn das so:
 

  • Bäume oder Baumstümpfe wirken wie eine Perforation. Z B. lässt sich ein perforiertes Kalenderblatt leichter abreißen.
  • Wo man Skifahren kann, kann auch eine Lawine abgehen.
  • Aber kommt es nicht auf die Dichte von Baumstümpfen, und anderen Hindernissen drauf an? Kann sich bei einer hohen Hindernisdichte überhaupt ein Brett bilden? Beim vorliegenden Bild würde ich keinen relevanten Gleithorizont sehen. Anders schauts sicher aus, wenn die Stümpfe und Bäumchen alle zu sind (Siehe Bilder vom Nori Zollhauser vor einigen Jahren im Aufstieg zur Stoißeralm). Was sagen unsere LWZ-Fachleute dazu?

    Grüße aus Bayern, Andi

    Nani Klappert zu IMG_20171216...18.12.2017

    Servus Herbert! Ich weiß, es kommt kaum sympathisch rüber, wenn einer herummäkelt und den Oberg'scheiten spielt, aber es handelt sich hierbei schließlich ums Tourenforum eines Lawinenwarmdiensts und da möcht ich etwas nicht unwidersprochen lassen: Das mit den Baumstümpfen. Da Zug- und Druckfestigkeit der Schneedecke fast gänzlich vernachlässigbar sind (das gilt auch sogar bei einem evtl. vorhandenen Harschdeckel, welcher trügerische Sicherheit suggeriert) und die Scherfestigkeit einer Schicht (nebst vorhandenen Schwachstellen) fast allein entscheidet, ob ein Brett hält oder abgeht, sollte man sich meiner Meinung nach von der Illusion lösen, dass Baumstümpfe da irgendwas "abstützen" könnten, im Gegenteil, sie sind zusätzliche Hotspots, weil sich rund um die Stümpfe meist Hohlräume und kleine Windkolke bilden. Lichtungen und Schläge, wie auf deinem Foto, sind deshalb meist ungefährlicher, weil sie windgeschützter sind als freies Gelände. Nix für ungut, Herbert, aber das mit den Stümpfen und großen Steinen, die die Schneedecke "abstützen", halte ich für einen der klassischen (und häufigen), wenn auch verständlichen Irrtümer. Meine Meinung, über die man selbstverständlich diskutieren kann. LG aus Großgmain, Nani