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Lagebericht
Do. 18.01.2018
update heute 7:30 (Michael Butschek)

Sturm und Neuschnee - hohe Auslösebereitschaft

Nachmittag

Vormittag

Ergiebiger Neuschnee an der Alpennordseite und NW-Sturm sorgen für eine sehr angespannte Lawinensituation mit GROßER Lawinengefahr! Die Auslösebereitschaft für Schneebrettlawinen ist vom lichten Hochwald aufwärts groß. Lawinen können auch spontan abgehen, Staubanteil entwickeln und exponierte Verkehrswege gefährden. Aufgrund der ungünstigen Unterlage (eingeschneiter Reif) können Lawinen auch im mäßig steilen Gelände bei geringer Zusatzbelastung ausgelöst werden.

Gefahrenbeurteilung

Es besteht verbreitet GROßE (4), in den Nockbergen ERHEBLICHE (3) Lawinengefahr.

Der frische, umfangreiche Triebschnee ist sehr störanfällig, in vielen Steilhängen, insbesondere im NW über Ost bis Süd schauenden Gelände muss eine Schneebrettauslösung schon bei geringer Zusatzbelastung (einzelner Wintersportler!) als wahrscheinlich angenommen werden. Dabei sind auch Auslösungen aus mäßig steilem Gelände möglich. Die Gefahrenstellen liegen zum Teil atypisch hinter kammfernen Geländekanten oder Waldschneisen. Damit herrschen im Varianten- und Tourenbereich verbreitet sehr heikle Bedingungen! Auch in den Nockbegen sind die Möglichkeiten eingeschränkt und erfordern Erfahrung in der Lawinenbeurteilung, Umfang und Ausdehnung der Gefahrenstellen sind jedoch geringer als im Norden.

Spontan sind einige mittlere bis große Lawinen möglich, die Auslauflängen können durch Staubanteil deutlich erhöht, exponierte Verkehrswege gefährdet sein.

Schneedeckenaufbau

Der Neuschneezuwachs seit gestern war entlang der Alpennordseite wieder ergiebig, die Neuschneesummen seit Dienstagabend liegen entlang und nördlich der Tauern verbreitet zwischen 50 und 80 cm, teilweise (z.B. im Oberpinzgau) bei gut 100 cm. Nordweststurm hat massiv verfrachtet und neben blank gefegten Kämmen große Wechten und meterhohe Einwehungen gebildet. Die heutige Frostmilderung in der Höhe sorgt für einen leicht verstärkten Setzungs- bzw. Bindungsimpuls.

Mögliche Bruchflächen gibt es zwischen den frischen Triebschneepaketen (tlw. mit Graupel durchsetzt), andererseits an der Grenze zur Altschneedecke in Form von eingeschneitem Oberflächenreif (NW-O-SO, von ca. 1500 m aufwärts) bzw. einer dünnen kantigen Schicht,die sich unter einer dünnen Regeneiskruste (Nordsektor, 1800 bis 2200m) gebildet hat.

Die bodennahe Schneedecke saugt nach wie vor Feuchtigkeit aus dem warmen Boden. Damit bleiben Gleitschneehänge in minimaler Bewegung.

Alpinwetter der ZAMG Salzburg

Heute ist die Sicht durch tiefe Wolken oft eingeschränkt, zeitweise schneit es noch leicht bis mäßig stark. Im Lauf des Nachmittags setzt sich trockeneres Wetter durch, bei etwas besseren Sichtverhältnissen zeigt sich stellenweise die Sonne. Es weht starker bis stürmischer Wind aus West bis Nordwest. Der Frost wird deutlich abgeschwächt: in 2000m von -10 auf -2 Grad, in 3000m von -15 auf -8 Grad.

In der kommenden Nacht ziehen wieder starke Schneeschauer durch. In kurzer Zeit können mit stürmischem Wind an der Alpennordseite neuerlich 15 bis 30 cm Neuschnee fallen!

Morgen, Freitag, ist die Sicht zunächst noch häufig durch Nebel und Schneeschauer eingeschränkt. Im Tagesverlauf beruhigt sich das Wetter, am Nachmittag zeigt sich bei deutlich besserer Sicht zeitweise die Sonne. Der anfangs noch teils stürmische Westwind lässt tagsüber nach. Temperaturen in 2000m um -8 Grad, in 3000m um -15 Grad.

Tendenz

Weiterhin sehr heikle Triebschneesituation, vermehrt spontane Lawinen in der kommenden Nacht und in den Morgenstunden.





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